Marit Neukomm wieder vor Ort in Idomeni

10.4.2016 - What a day!
Wir waren von 8 Uhr morgens bis 11 Uhr abens nonstop unterwegs, um die Menschen zu unterstützen. Dazwischen immer wieder Telefone, um die nächsten Schritte zu koordinieren und die aktuelle Situation einzuschätzen. 

Morgens um 8.00 Uhr: 4500 Bananen an Kinder, Schwangere und Stillende verteilt mit dem Bananateam. Eine fröhliche schöne Arbeit, weil wir mit sehr vielen Familien direkt in Kontakt kamen, aber auch anstrengend,weil schon 4 Jährige bettelten: "Miss please i have 7babies"😂🙈. 

11 Uhr: Idomeni, die Menschen bereiten sich auf die Stürmung vor, die Anspannung ist riesig. Wir gehen ins Camp Hara und möchten nicht zwischen die Fronten geraten. 

12 Uhr: (ab jetzt begleitet uns ein Team der Schweizer Illustrierten, erscheint am Fr, 22.4) beim Hotel Hara, einem Camp mit 1200 Menschen die von fast keiner Organisation betreut werden, nur Aid Delivery Mission gibt ihnen Essen. Auf Anraten von Aslam haben wir die 300 gestern vorbereiteten Hygienepakete dort verteilt- Zelt für Zelt abgeklappert. Es ist heiss, stickig, mit beissendem Rauch und es hat Schlangen!! Geholfen haben uns 2 Syrier, die übersetzten und die Säcke schleppten- wunderbar, danke Samir und Hamdi!! Thesi unsere MPA hat spontan ein paar Kranke mit Kretze, Schmerzen und Zahnproblemen behandelt.

16 Uhr: endlich habe ich Vanja von Borderfree   getroffen, eine inspirierende, humorvolle Powerfrau!! 

Seit 12 Uhr: die Menschen stürmten die Grenze, Mazedonien schoss ÜBER die Grenze nach Griechenland 5h lang immer wieder Tränengas und Gummigeschosse - mitten in die Zelte!!!! 
Das ist Körperverletzung und versuchter Mord - 2 Kinder starben an den Folgen vom Tränengas!!! Warum? Tränengas anno 1994 ist viel zu aggressiv -> Atemnot, Verätzungen, Ohnmachtsanfälle. Danke Mazedonische Polizei!! 
Ihr solltet hierfür hinter Gitter!!

18 Uhr: Lagebesprechung im Parhotel. Aslam braucht dringend Geld, um neue Zelte, 1000L Wasser und Cola (nur Cola oder Milch kann das Tränengas wegspühlen) zu besorgen. Denn das Tränengas vermischt mit dem Regenwasser, setzt sich auf den Zelten fest, die Menschen leiden und müssen umziehen. Wir zögern nicht, finanzieren diese dringend benötigten Hilfsladungen auf Aslam's Anfrage (3300 Euro). 

19.30 Uhr: Camp EKO: wir treffen Mohamed (25) ein kriegsverletzter Syrer mit Familie, der duch die Verletzung nicht mehr gehen kann. 3 Wirbel sind gebrochen, Dekubitus, Infektionen an Füssen. Hilfe? Fehlanzeige - AUSSER Giada Degrandi!! Sie nimmt sich seiner an, Florenz Schaffner reagiert auf Giada s Post über Mohamed und wir organisieren Hilfe, dass er evtl. in die Schweiz kommt und richtig behandelt wird. Das ist aber noch ein langer Weg und seine Familie müsste erstmals hier bleiben. Als seine Frau das erfährt, laufen ihr die Tränen runter, alleine zu sein und die kleinen Kinder werden indem dowieso schon grossen Traume noch eines ertragen müssen: Monate ohne Vater im Camp, bis der Familiennachzug erfolgt. Mit treibt dieser Umstand die Tränen in die Augen, denke an meine 2 kleinen Mädchen und heule mit Mohameds Frau zusammen! 

22:00 Uhr: zurück im Camp Idomeni: wir helfen, die von uns finanzierten Zelte aufzustellen-> für Familien die ihre Zelte durch diese Krawalle verloren haben und sonst im Freien am Boden schlafen müssten. 
Viele herzzerreissende, bedrückende, schwere Eindrücke. Aber auch wunderbare Menschen getroffen, die die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht aufgeben und uns in ihrer grössten Not anlächeln, helfen und uns ihren frisch zubereiteten Salat anbieten - den Besten den ich je gegessen habe!!!!
09.04.2016
Im Dorf Idomeni gibt es das kleine Hotel Hara, dort und im Wald dahinter leben ca 1300 Flüchtlinge - in Zelten, ohne Strom, Wasser, ärztliche Versorgung. UNHCR, MSF, DWB und grössere freiwilligen Gruppen sind nur im grossen Camp. 
Die Menschen brauchen Hilfe! 
Wir haben heute Dank euren Spenden erstmal 300 Hygienepakete gemacht. Die hygienischen Bedingungen sind seit Wochen immer schlimmer geworden, deshalb haben wir hier einen Schwerpunkt gelegt!In den Paketen befinden sich: 1x Rasierer, 1x Feuchttücher, 1x Zahnpasta und Bürste, 1x Seife, 1x Shampoo, 1x Desinfektionstüchli und  das heissbegehrte abgefüllte Waschpulver! 
Auf dem Heimweg rief uns Giada an und fragte nach Medis. Ihr Fall: ein 25 jähriger syrierischer Familienvater, mit Hüftdurchschuss und Wirbel-Verletzungen,gelähmt und dadurch Dekubitus vom andauernddn Sitzen auf dem Zeltboden!! Er hat schwere Infektionen und müsste dringend operiert werden! Wenigstens hat er durch die tollen Spenden aus Apotheken einen super Verband bekommen und eine Ladung Co-Amoxi Antibiotik.
Danke allen, die mitgespendet haben. Morgen werden wir Hygienebags im Hara verteilen.